Schulhomepage: Baukasten wie Jimdo oder WordPress?

Schulhomepage bzw. Schulwebsite: Baukastensystem wie Jimdo oder WordPress verwenden?

Als ehemaliger Lehrer mit mehr als 20 Jahren Diensterfahrung habe ich sehr viele Schulwebsites gesehen und auch viele Schulen bei der Entwicklung ihrer Website begleitet. Reicht ein Baukastensystem wie Jimdo für eine Schulhomepage? – Gibt es Vorteile, eine Schulhomepage mit einem Content Management System (CMS) wie WordPress zu entwickeln?

Ich muss gestehen, dass ich vielleicht als „alter Hase“ mit entsprechenden Kenntnissen bezüglich HTML, CSS und PHP nicht ganz unvorbelastet an das Thema gehe. Anlass für diesen Beitrag war ein Beitrag auf einer Website, der zu folgendem Schluss kommt:

„Zur Erstellung der Schulhomepage ist grundsätzlich der Einsatz eines Website-Baukastens wie Jimdo sehr zu empfehlen. Die Erstellung einer Website ist mit Jimdo nicht nur kinderleicht, sondern auch kostenlos möglich.“

https://www.schulhomepage.de/schule/schulhomepage-tutorial

Info

Schulwebsite, Schulhomepage, Schulwebseite ????

Die Begrifflichkeiten sind leider nicht immer klar, daher hier ganz kurz: Eine Website bezeichnet die Sammlung von Webseiten einer bestimmten Domain (hier z. B. haurand.com). Zu Webseiten gehören u. a. nicht nur einzelne Seiten (z. B. die Startseite), sondern auch Beiträge wie dieser hier.

Als Homepage wird streng genommen die Startseite einer Website bezeichnet. Landläufig wird damit aber auch häufig die Website bezeichnet.

Jimdo für eine Schulwebsite?

Ja, es gibt tatsächlich eine kostenlose Version von Jimdo. Da bekommt man eine Website als Jimdo-Subdomain, die dann z. B. folgendermaßen über die URL zu erreichen ist: https://meine-schule.jimdosite.com/
Die Frage ist, welche Schule möchte solch eine URL haben?

Ich kann mich gut erinnern, als ich vor ca. 7-8 Jahren an eine Schule versetzt wurde und da eine Schulhomepage übernommen habe, die mit dem Jimdo-Baukasten erstellt wurde. Ich muss gestehen, dass ich damals bereits einige Erfahrungen mit WordPress hatte und an der vorherigen Schule eine Website mit WordPress erstellt habe. Mir hat Jimdo damals nicht gefallen und ich habe recht schnell die Website der Schule in WordPress gebaut.

Da das bereits einige Jahre her ist, habe ich mir jetzt einen neuen Account bei Jimdo erstellt, um mal zu sehen, wie denn heutzutage mit Jimdo eine Website erstellt wird.

Die Anmeldung verlief problemlos. Danach wird man durch das System geleitet, wobei man entsprechende Fragen beantworten muss wie „Wofür ist deine Website gedacht?“ oder „Wie heißt dein Unternehmen oder Projekt?“. Ich habe dazu eine Testschule angelegt, einige Fragen beantwortet und hatte dann ruckzuck eine Website: https://testschule-6.jimdosite.com/

Jimdo und DSGVO?

Bei Aufruf der Website wird sofort ein Cookie-Banner gezeigt, das schon wegen Cloudflare notwendig ist. Dieser Dienst ist eigentlich nur dann interessant, wenn man dafür sorgen möchte, dass eine Website weltweit recht schnell zu erreichen ist. Bei einer Schulwebsite, die ja mehr lokal angesiedelt ist, ist solch ein Dienst eher nicht notwendig. Ob man bei Jimdo Cloudflare deaktivieren kann, weiß ich nicht. Bei der kostenlosen Variante erscheint unten links ein Button „Erstellt mit Jimdo“. Dieser Hinweis ist immer zu sehen.

Kontaktoption bei Jimdo: Der WhatsApp-Chat
Kontaktoption bei Jimdo: Der WhatsApp-Chat

Möchte ich im Dashboard Kontakte einrichten, dann wird mir bei Klick auf den Menüpunkt ein WhatsApp-Chat vorgeschlagen. Das ist in Bezug auf eine Schule schon etwas bedenklich, weil bei Whatsapp ein Problem mit dem Datenschutz besteht. Bei Statistiken wird u. a. Google Analytics als eine der beiden Varianten angeboten. Diese Variante ist bei Jimdo nur mit einem Upgrade auf ein kostenpflichtiges Premium-Paket möglich. Auch hier gibt es ein Problem mit dem Datenschutz (DSGVO). Übrigens bietet Jimdo erst ab der Variante „GROW LEGAL“ für 20€ pro Monat das Feature „DSGVO-konform“. Das deutet darauf hin, dass Jimdo-Websites in dem Fall bei den günstigeren Tarifen oder gar bei der kostenlosen Variante nicht datenschutzkonform sind.

Zugegeben: Optisch ist die Website zunächst mal ok.
Aber: WordPress ist kostenlos, die Installation von WordPress dauert grundsätzlich auch nicht viel länger und mit einem entsprechenden Theme ist das Layout auch relativ schnell realisiert. Die Kosten für die (echte) Domain entstehen in beiden Fällen.

4 Seiten sind bei Jimdo bereits nach der Installation angelegt. Wenn ich mehr als 5 Seiten verwende, dann kann Jimdo nicht mehr kostenfrei verwendet werden. Insofern wäre auch aus der Warte die kostenfreie Version keine Option, weil es wohl kaum Schulen gibt, die mit so wenigen Seiten auskommen.

Limit nach 5 Seiten bei Jimdo
Limit nach 5 Seiten bei Jimdo

Eine Schulhomepage ist mehr als eine Visitenkarte

Aber es gibt ja im Schulbereich noch andere Dinge, die eine Rolle spielen und für Eltern, Schüler und Lehrer wichtig sind. Hier ein kleiner Überblick, der nur ein paar Aspekte wiedergibt:

  • Termine wie Anmeldetermine, Elternsprechtage, müssen angezeigt werden,
  • Berichte bzw. Beiträge zu Klassenfahrten, Schulfesten, etc. müssen veröffentlicht werden, damit die Schulgemeinde sieht, was an der Schule los ist,
  • Vorstellungen der Schulleitung, des Kollegiums, Förderverein, sind notwendig,
  • Die individuellen Möglichkeiten an der Schule müssen erläutert werden, damit sich Eltern schon auf der Website ein Bild von der Schule machen können,
  • Kontaktmöglichkeiten sind wichtig, etc.

Schon nach den ersten Klicks im Dashboard wird deutlich, dass man mit der kostenlosen Variante von Jimdo nicht sehr viel anfangen kann. Erinnern wir uns noch mal an den eben zitierten Satz:

„Zur Erstellung der Schulhomepage ist grundsätzlich der Einsatz eines Website-Baukastens wie Jimdo sehr zu empfehlen. Die Erstellung einer Website ist mit Jimdo nicht nur kinderleicht, sondern auch kostenlos möglich.“

https://www.schulhomepage.de/schule/schulhomepage-tutorial

Aufgrund der hier dargestellten Problematik kann deutlich gesagt werden, dass zumindest die kostenlose Variante von Jimdo keineswegs empfehlenswert ist. Wenn man sich das genauer ansieht, dann wird deutlich, dass die genannte Website Affiliate-Marketing für Jimdo betreibt. Der Betreiber der Website erhält dementsprechend beim Verkauf eine Provision. Was dann so eine „Empfehlung“ wert ist, kann sich jeder selbst vorstellen.

Eine Schulhomepage muss außerdem auf jeden Fall viel mehr darstellen als eine Visitenkarte:

  • Die individuellen Möglichkeiten einer Schule müssen adäquat und übersichtlich dargestellt werden.
  • Die jeweilige Schule möchte sich von den anderen vergleichbaren lokalen Schulen mit ihrem jeweiligen Profil absetzen.

Dafür ist ein Baukastensystem in der Regel viel zu unflexibel.

Was bietet WordPress dazu im Vergleich?

WordPress bietet im Vergleich zu einem Baukastensystem wesentlich mehr Optionen. Während das Design einer Jimdo-Website aus verschiedenen Vorlagen gewählt werden kann, kann ich das Design bei einer WordPress-Website komplett im Rahmen des gewählten Themes gestalten. Logisch ist auch: Ein Baukastensystem bietet mir nur Optionen mit den darin enthaltenen Bausteinen. WordPress bietet alleine durch fast 60.000 kostenfreie Plugins eine unglaubliche Flexibilität – hier einige Beispiele:

  • Wenn ich also ein Formular datenschutzkonform für die Anmeldung beim „Tag der offenen Tür“ mit einem gewissen Zeitfenster gestalten möchte, wird das mit einem System wie Jimdo wohl kaum zu realisieren sein.
  • Wenn die Termine einer Schule je nach Stufe selektiert werden sollen, wird das vermutlich mit einem Baukastensystem ebenfalls kaum möglich sein.
  • Die Darstellung von Beiträgen zu einer bestimmten Kategorie (z. B. Klassenfahrten) ist auf einer WordPress-Website ohne Probleme möglich und ich kann sogar das Design selbst gestalten.

Auch durch das Angebot von derzeit 11.595 kostenlosen Themes kann eine Website grafisch individuell gestaltet werden.

Das Backend mit dem Dashboard bei WordPress
Das Backend mit dem Dashboard bei WordPress
Das Dashboard bei Jimdo
Das Dashboard bei Jimdo

Schulhomepage mit WordPress selber bauen?

Dazu eine nette Anekdote: Vor einiger Zeit hat sich eine Schule an uns gewandt, weil eine Schulhomepage erstellt werden sollte. Wir haben mit der Schule vorab mehrfach gesprochen und das Anforderungsprofil für die Website abgeklärt. Dann haben wir ein Angebot erstellt und der Schule zugeschickt. Mit dem Angebot ist die Schule zum Schulträger gegangen (eine Stadt in NRW, deren Namen ich hier nicht nennen möchte). Sie erhielten zunächst die Antwort: „Ach, das kann doch wohl ein Kollege bei Ihnen an der Schule machen“.

Ich fand die Antwort interessant und musste lächeln: Ob man diese Antwort denn auch gegeben hätte, wenn die Toilette an einer Schule defekt ist oder der Boden neu verlegt werden muss? – Die Antwort kann ich mir wohl ersparen 😉

Bei meinem Auto kann ich durchaus auch ein Scheibenwischerblatt reparieren oder Öl nachfüllen, aber ich würde niemals auf die Idee kommen, die Bremsscheiben auszutauschen. Das überlasse ich vertrauensvoll dem Mechatroniker. Genauso ist es doch bei der Websiteerstellung: Websitepflege ja, aber Websiteerstellung??? – Das sollte man doch besser den Leuten überlassen, die entsprechende Erfahrungen nachgewiesenermaßen vorweisen können.

Zähneknirschenderweise hat der Schulträger dann aber eingelenkt und uns beauftragt, weil wir das günstigste Angebot unterbreitet haben und in Bezug auf Schulwebsites sehr viel Erfahrung haben (siehe Referenzen).

Gute Beratung bei einer Website

Zunächst mal ist es wichtig, dass Schulen in Bezug auf die Struktur der Website (Stichwort übersichtliche und intuitive Benutzerführung) gut beraten werden. Außerdem muss natürlich auch ein ansprechendes Design für die Website entwickelt werden. Das sind aber nur die wichtigsten Aspekte, die eine Rolle spielen. Daneben sind viele andere Dinge von Bedeutung, u. a. :

  • Suchmaschinenfreundlichkeit: die Schule soll ja mit den „richtigen“ Keywords gefunden werden.
  • Performance: eine langsame Website ist nicht nur für die User eine Zumutung, sondern wird auch von Google abgestraft.
  • Digitale Barrierefreiheit: Ab 2025 sollen Websites barrierefrei sein. Auch das wird von Google bereits in gewissem Maße abgestraft (z. B. Stichwort Alt-Texte bei Bildern).
  • Sicherheit: Eine gehackte Website ist kein gutes Aushängeschild.

Die Pflege einer Schulhomepage kann durchaus von Eltern oder dem Lehrpersonal bei entsprechenden Ermäßigungsstunden erledigt werden. Aber die Entwicklung einer Website ist mehr als ein paar Dinge über ein Baukastensystem zusammenzuklicken. Was dabei rauskommen kann, sieht man z. B. hier:

Ein Ausschnitt einer Schulwebsite mit Jimdo
Ein Ausschnitt einer Schulwebsite mit Jimdo

Um das mal klarzustellen: Es gibt auch ähnliche Schulwebsites, die mit WordPress erstellt wurden.

Wenn wir eine Schulwebsite erstellen, dann bieten wir immer eine Schulung und auf Wunsch auch ein individuelles Handbuch für die Bearbeitung der jeweiligen Schulhomepage an. So ist gewährleistet, dass die Website inhaltlich auch von dem Lehrpersonal gepflegt werden kann. Das klappt bei den von uns betreuten Schulen sehr gut.

Fazit

Es ist wichtig, dass eine Schulhomepage u. a. das Bildungsangebot einer Schule entsprechend professionell präsentiert, aktuelle Informationen zielgerichtet anbietet und für die Schulgemeinde eine intuitive benutzerfreundliche Website anbietet. Das kann man sicher nicht durch Zusammenklicken von irgendwelchen Bausteinen in einem Baukastensystem erreichen. Aufgrund unserer Erfahrung können Beiträge vom Lehrpersonal nach einer entsprechenden Schulung und durch fertige Patterns recht schnell erstellt werden. Bei den meisten Dingen im Zusammenhang mit der Website benötigen die von uns betreuten Schulen unsere Hilfe nicht mehr. Man sollte außerdem berücksichtigen, dass die genannte Website, die Jimdo empfiehlt, Affiliate-Marketing für Jimdo betreibt. Der Betreiber der Website erhält dementsprechend beim Verkauf eine Provision.

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