Rezension zum Buch „Barrierefreie Websites für dummies“
Barrierefreie Websites zu erstellen ist ziemlich aufwendig. Das konnten wir bei der Umsetzung barrierefreier Websites in den letzten Jahren immer wieder feststellen. Da ist ein praxisnaher Leitfaden zur Umsetzung von WCAG-Kriterien im Webdesign außerordentlich hilfreich. Wir haben uns das Buch „Barrierefreie Websites für Dummies“ angesehen. Was wir von dem Buch halten, könnt ihr in diesem Beitrag lesen.
Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man ein Buch von Leuten rezensiert, die uns im Rahmen einer „Weiterbildung zur Gestaltung von barrierefreiem Webdesign“ eine Menge Dinge gezeigt haben, auf die wir bei der Entwicklung von barrierefreien Websites vorher gar nicht geachtet haben. Wir haben zwar schon seit längerer Zeit aufgrund der familiären Situation mit dem Thema zu tun, müssen aber gestehen, dass wir uns so richtig erst seit ca. 2 Jahren damit beschäftigt haben. Die Ausbildung hat uns da sehr geholfen.
Und jetzt schreiben Tobias Roppelt, Nina Jameson und Christiane Hackl ein Buch dazu. Da kam natürlich Spannung bei uns auf. Schaffen es die Autorinnen und der Autor, dieses außerordentlich schwierige Thema Leuten (Entwickler, Designer, Redakteure, etc.) auch über ein Buch näher zu bringen?
Man muss dazu sagen, dass schon auf der Website von gehirngerecht.digital jede Menge sehr hilfreicher Informationen frei verfügbar zu finden sind.

von Tobias Roppelt, Nina Jameson und Christiane Hackl.
Grafik: Wiley-VCH Verlag
Barrierefreiheit bietet nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern bringt auch klare Vorteile für alle. Barrierefreie Websites sind leichter zu bedienen, erreichen mehr Menschen und werden von Suchmaschinen besser gefunden – insgesamt also leistungsfähigere und zukunftssichere digitale Angebote.
Das Buch „Barrierefreie Websites“ für Dummies
Sehr gut gefallen hat mir, dass direkt am Anfang vier „Schummelseiten“ als WCAG-Checkliste stehen. Diese Checklisten kann man Ausschneiden und anhand der Checklisten die jeweilige Website auf Barrierefreiheit prüfen, allerdings können naturgemäß Dinge zur Barrierefreiheit nur ganz verkürzt dargestellt werden. Aber für diejenigen, die bereits mehr in das Thema „Barrierefreie Websites“ eingestiegen sind, ist das schon eine tolle Sache.
Kerninhalte
Der erste Satz aus dem Buch lässt erahnen, dass es – genau wie zunächst bei uns – für viele eine Pflichtübung war oder ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen:
Mit großer Wahrscheinlichkeit halten Sie dieses Buch in den Händen, weil Sie – seien wir ehrlich – entweder vom Gesetz, Ihrer Kundschaft oder von Ihrem Unternehmen dazu »motiviert« wurden, sich mit digitaler Barrierefreiheit auseinanderzusetzen.
Quelle: Einleitung aus dem Buch „Barrierefreie Websites für Dummies“ von Tobias Roppelt, Nina Jameson und Christiane Hackl, Seite 21
Zunächst: Barrierefreiheit im Web ist längst kein optionales Extra mehr, sondern entwickelt sich schon aufgrund der Gesetzeslage zu einer verbindlichen Anforderung. In Deutschland leben rund 7,8 Millionen Menschen mit Behinderungen, für die ein uneingeschränkter Zugang zu digitalen Informationen noch immer nicht selbstverständlich ist. Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das am 28. Juni 2025 in Kraft trat, sind viele Anbieter künftig verpflichtet, ihre Webangebote barrierefrei zu gestalten.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und die EU-Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act, EAA) sind die zentralen gesetzlichen Grundlagen in Deutschland und Europa. Sie verpflichten öffentliche Stellen sowie private B2C-Anbieter (z. B. E-Commerce, Banken, Apps) zur Barrierefreiheit von Websites und digitalen Diensten ab 28. Juni 2025.
Wichtige gesetzliche Quellen (Gesetzgeber und offizielle Stellen):
- EU-Richtlinie 2019/882 (EAA): Setzt europaweite Mindeststandards für barrierefreie Webseiten, Online-Shops und Apps.
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Deutsche Umsetzung der EAA, seit 28. Juni 2025 gültig (BGBl. 2021 I S. 2970).gesetze-im-internet+1
- Verordnung zum BFSG (BFSGV): Regelt technische Details, Fristen und Übergangsregelungen (z. B. bis 2030/2040 für Terminals).
- Weitere Regelungen: TMG (Telemediengesetz), BGG (Bundesgleichstellungsgesetz), BITV 2.0 (für öffentlichen Sektor), DIN EN 301 549 (EU-ICT-Standard).
Verpflichtete: Behörden, Kommunen sowie Unternehmen mit Online-Verkauf/-Diensten an Verbraucher (Ausnahmen: Kleinstunternehmen <10 Mitarbeiter/<2 Mio. € Umsatz). Bußgelder bis 100.000 € möglich.
Zusammengefasst: Die EU (Richtlinie 2019/882) wird in Deutschland durch BFSG und BFSGV umgesetzt. Offizielle Infos bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit oder in den Gesetzestexten.
Aktualisierte Link-Liste (Stand 3/2026)
- Offizieller BFSG-Text – Aktuelle Fassung.
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit – BFSG – FAQs, Fristen.
- Bundesfachstelle – EU-Richtlinie – Details EAA.
- HWK Düsseldorf – Praxisinfo (aktuell).
- Aktion Mensch – Pflichten – Verbrauchersicht.
- ZDH Leitfaden – Für Händler.
- Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0)
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)
- Verordnung über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (Verordnung zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – BFSGV)
- Harmonisierte Europäische Norm (EN) 301 549
- WCAG 2.2: Neue Version im Dezember 2024 veröffentlicht
Und in der Tat ging es uns zunächst genauso: Jetzt kommt nach der DSGVO mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) die nächste „Spaßbremse“. Aber über die Notwendigkeit von barrierefreien Websites braucht man nicht zu diskutieren. Man muss sich damit ernsthaft beschäftigen und da reicht auch nicht ein Overlay-Tool, das man eben mal installiert und dann ist alles gut. Ist es eben nicht.
Und das wird beim Lesen des Buchs auch deutlich. Aber der Reihe nach:
Das Buch gliedert sich in sechs Teile mit praxisorientierten Kapiteln zur Umsetzung von WCAG und BFSG:
Teil I: Was bedeutet digitale Barrierefreiheit überhaupt?
Teil I klärt zunächst mal, was digitale Barrierefreiheit überhaupt bedeutet. Außerdem werden anschaulich die rechtlichen Pflichten erklärt: Wer ist überhaupt verpflichtet, eine barrierefreie Website zu erstellen. Hilfreich ist dabei, dass die Fragen dazu im Rahmen eines Quiz gestellt werden. Weitere Themen sind die europäische Norm EN 301549 und da – für barrierefreie Websites besonders wichtig – das Kapitel 9 mit der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines – Level A und AA). Die Fragen in Kapitel 4 klären z. B. auf, wer die Barrierefreiheit überprüft und wer haftet, wenn die Website nicht barrierefrei ist. Wichtig für öffentliche Einrichtungen sind BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) und BITV (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung). Die Anforderungen unterscheiden sich bei öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen. In diesem Kapitel erhalten Leserinnen und Leser eine sehr gute Übersicht und eine Grundlage, um zu klären, ob die jeweilige Website barrierefrei gestaltet werden muss.

Teil II: Vom Konzept zur Seite: Wie man eine barrierefreie Website erstellt!
Teil II behandelt die Planung der Umsetzung einer Website als barrierefreie Website. Hier wird gezeigt, wie Barrierefreiheit schon in der Konzeption integriert wird, bevor Entwicklung oder Content-Produktion beginnt. Es richtet sich an Projektteams, Designer und Agenturen, die Barrierefreiheit effizient in bestehende Workflows einbinden wollen.
Dabei wird der projektübergreifende Workflow beschrieben, angefangen beim PO (Product Owner) über die Definition of Done (DoD). Hier wird erläutert, wie Checklisten für Redaktion, Design und Entwicklung erstellt werden können bzw. sollten, mit denen grundlegende WCAG-Kriterien (Level AA) schnell geprüft werden können. Besonderer Fokus liegt auf der Integration in agile Prozesse und der Vermeidung teurer Nachbesserungen. Interessant fand ich den Aspekt, ob es sinnvoll ist, eine barrierefreie Version der Website anzubieten. Exakt diese Diskussion hatten wir vor einiger Zeit mit einer Agentur. Ich halte es grundsätzlich für eine bessere Lösung auch wegen der Wartbarkeit, eine (!) Website für alle anzubieten.
„Digitale Barrierefreiheit im Design“ behandelt visuelle Gestaltung: Kontrastprüfung (mind. 4.5:1), Typografie für Screenreader, Farbgebung, Layouts und responsive Design. Es erklärt, wie Figma/Sketch schon in der Designphase WCAG-konform werden können, inklusive Tools für automatische Kontrast-Checks und praktischer Beispiele für Header, Navigation und Hero-Sections. In diesem Bereich werden im Buch ab Seite 77 sehr viele praxisorientierte Lösungen gezeigt und erläutert.
Wichtig in dem Zusammenhang finde ich die Betonung im Buch, dass frühe Planung 80% der Kosten spart und Barrierefreiheit Designqualität steigert (bessere SEO, Usability). Mit realen Projektbeispielen und Checklisten ist dieser Teil besonders für Freelancer und Agenturen geeignet. Die Betonung, dass Barrierefreiheit proaktiv umgesetzt werden sollte, statt nur zu reagieren, halte ich für einen sehr wichtigen Aspekt.
Eingegangen wird auch auf die von mir gerne verwendete Option eines Sticky Headers (Seite 130). Da ich bei den meisten WordPress-Instanzen unser Plugin Dynamic Header & Navigation for Block Themes einsetze, war das Thema natürlich für mich sehr interessant und ich denke, dass wir die Anforderungen, die in dem Kaptiel sehr anschaulich beschrieben sind, bei dem Plugin berücksichtigt haben.
Sehr wichtig finde ich auch das Kapitel 8 bezüglich „Semantisches HTML“ (Seite 141ff.): „Für die Entwicklung von barrierefreien Websites ist Wissen über HTML-Grundlagen unerlässlich“. Diesen Satz kann ich nur unterstreichen. In dem Zusammenhang ist aber auch ARIA von Bedeutung, weil es Fälle gibt, wo ARIA-Attribute notwendig sind. Auch auf diese Fälle geht das Buch ausführlich ein.
Teil III: Barrierefreiheit testen
Im Teil III geht es um „Barrierefreiheit testen“. Dabei wird auf automatisierte Tests eingegangen, aber auch deutlich gemacht, aus welchen Gründen manuelle Tests notwendig sind. Zunächst werden Test-Tools wie z. B. die BIK-BITV-Selbstbewertung (siehe Seite 235) erläutert. Anschließend wird deutlich gemacht, wie einzelne Aspekte richtig getestet werden, z. B. anhand assistiver Technologien (Screenreader, Bildschirmlupe, Sprachsteuerung, etc.). In Kapitel 11 werden diverse automatisierte Test-Tools wie Browser-Plug-Ins vorgestellt (ARC-Toolkit, axe DevTools, WAVE). Hier fehlt m. E. zumindest die Erwähnung von Silktide, mit dessen Hilfe einige Tests grundsätzlich automatisiert durchgeführt werden können. Wir setzen Silktide gerne für einen ersten automatisierten Test ein, weil wir dann schon einen ersten Eindruck zur Barrierefreiheit einer Website erhalten.
Teil IV: Kriterien der digitalen Barrierefreiheit im Detail
In Teil IV geht es um die WCAG-Kriterien Level A und AA, die im folgenden Beitrag aufgelistet werden. Dieser Teil soll eher als Nachschlagewerk dienen, damit man einen Überblick hat und ggf. zu dem einen oder anderen Kriterium weitergehende Informationen und Erläuterungen erhält. Hier ist die Dokumentation auf der Website der Autorinnen und Autoren zusätzlich sehr hilfreich. Abschließend wird erläutert, warum die WCAG nicht ausreicht, um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Daher wird noch zusätzlich auf die europäische Norm für barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnologien (EN 301 549) eingegangen.
In Teil V werden 10 Menschen vorgestellt, von denen die Autorinnen und Autoren viel gelernt haben.
Fazit
Das Buch „Barrierefreie Websites für Dummies“ liefert einen praxisnahen Einstieg und zeigt, wie Websites so gestaltet werden können, dass sie von möglichst vielen Menschen genutzt werden können – unabhängig von Gerät, Browser oder unterstützenden Technologien wie Screenreadern. Besonders hervorzuheben ist der konsequent praxisorientierte Aufbau: Schritt-für-Schritt-Anleitungen, leicht umsetzbare Prüfmethoden sowie die bereits erwähnte „Schummelseite“ (WCAG-Checkliste) erleichtern die schnelle Einschätzung zentraler Barrierefreiheitsanforderungen. Darüber hinaus bietet das Buch konkrete Empfehlungen für Redaktion, Design und Entwicklung, um Barrierefreiheit effizient in bestehende Arbeitsprozesse zu integrieren.
Aber auch als Nachschlagewerk für Webdesigner, die sich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, ist das Buch ideal, z. B. die „Sichtbarkeit von Inhalten“ auf Seite 176: „HTML, CSS und ARIA stellen erstaunlich viele Möglichkeiten zur Verfügung, um Inhalte zu verstecken. Damit Sie verstehen, welche davon wann sinnvoll sind, schauen wir uns alle im Detail an.“
Als kleinen Kritikpunkt möchte ich das Stichwortverzeichnis erwähnen. Hier hätte ich mir gewünscht, auch entsprechende Hinweise z. B. zu ARIA, BGG, EN 301 549, BITV zu finden. Aber das ist im Hinblick auf die Fülle der Informationen nur ein wirklich kleiner Wermutstropfen.
„Barrierefreie Websites für Dummies“ ist ein absolut empfehlenswertes Buch für alle, die Webinhalte verständlich, nutzerfreundlich und inklusiv gestalten möchten. Ein „Muss“ in der heutigen (Webdesign-)Zeit.
Links, Quellen und aktuelle Infos
- „Barrierefreie Websites für Dummies“ von Tobias Roppelt, Nina Jameson und Christiane Hackl (Wiley-VCH, 2026, 384 Seiten): https://www.wiley-vch.de/de?option=com_eshop&view=product&isbn=978-3-527-72326-3
- https://www.w3.org/WAI/WCAG22/quickref/
- https://gehirngerecht.digital/wcag-kriterien/
- https://gehirngerecht.digital/
- https://gehirngerecht.digital/wissen/barrierefreiheits-experte/
- WordCamp Leipzig 2025
- https://haurand.com/barrierefreie-websites/
- https://haurand.com/barrierefreiheit-an-schulen/
- https://haurand.com/overlay-tools-fuer-barrierefreiheit-keine-gute-idee/
- https://haurand.com/aria-attribute-zur-verbesserung-der-barrierefreiheit/
- https://haurand.com/barrierefreiheit-und-skip-to-content-link/
- https://haurand.com/seitenleiste-bei-block-themes/
- https://sitebrunch.com/product/barrierefreiheit
- https://cotelangues.com/de/barrierefreie-websites-fur-dummies-interview/
- Barrierefreiheits-Check 2026: Deutschland macht Fortschritte, verfehlt aber den Standard
- 99 Prozent der deutschen Onlineshops erfüllen BFSG noch nicht
- Der Einfluss von Web-Barrierefreiheits-Overlays auf die Benutzerfreundlichkeit und das Nutzererlebnis für Menschen mit dauerhaften Sehbehinderungen
Weitere Beiträge zum Thema
- Buch: Barrierefreie Websites
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- Overlay-Tools für Barrierefreiheit? – keine gute Idee
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